Annegret Haas

… Anfangs waren es Leinwände, die dunkle Räume entwarfen, mal diffus, dann wieder stärker strukturiert, in welche helle, lichte Partien gliedernd eingriffen. Feine malerische Abstufungen des Hell-Dunkel-Farbauftrages, diffuses Licht, eine gleichsam immaterielle Leichtigkeit der gezeigten Motive und wenige, den Bildraum jedoch klar gliedernde Markierungen prägen alle nachfolgenden Arbeiten, vorwiegend auf Papier. Sie evozieren zumeist Landschaftliches: ruhige Seeufer oder Ausblicke in leere Weite, Straßenverläufe, ein Haus im Schnee – hingehaucht wie vage Erinnertes oder wie Blicke aus schnellen Fahrzeugen in die Natur. Hinzu treten unbestimmte Motive, die unseren Assoziationen einen weiten Spielraum belassen. Die zwischen Stille und Bewegung bzw. Tiefe und Fläche oszillierenden Seh-Eindrücke werden in großen Bildblöcken zueinander in Beziehung gesetzt; die einzelnen Kompositionen zu einer übergreifenden Ordnung zusammengefasst.
Annegret Haas führt uns den ganzen Kosmos visueller Eindrücke und bildhafter Erinnerungen vor; doch diesen fehlt im buchstäblichen wie übertragenen Sinne die Farbigkeit, der sensuelle Tumult des Mittendrin. Die einzelnen Szenen wirken eher wie Film-Stills, aufgenommen mit einer Schwarzweiß-Kamera, wie Erinnerungen an Schwarzweiß-Fernsehen oder an eine Landschaft, die man vor langer Zeit mit Auto, Bus oder Zug durchfahren hat, so dass die Eindrücke »verblasst« sind. Die Ausfilterung der Farbigkeit erscheint aber nicht als Verlust, sondern wird durch einen Reichtum der Tonwerte im Grau- und Braunspektrum kompensiert, der zur Kontemplation der Motive anregt. Im Begriff der Kontemplation ist beiderlei aufgehoben: gesteigerte Aufmerksamkeit für das Ganze, das Einheitsstiftende einer Situation bei gleichzeitiger innerer Distanznahme zu allem Geschehen in Zeit und Raum.
Text-Fragment: Kai Uwe Schierz

1962 in Karl-Marx-Stadtgeboren
1982-85 Designstudium an der Fachhochschule Schneeberg
1988-90 Plastikstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
1992-93 Stipendium der Stiftung Kulturfonds
1994 Berliner Senatsstipendium, Arbeitsaufenthalt in Rotterdam
1995 Stipendium des Senats für Kulturelle Angelegenheiten in Berlin, Arbeitsaufenthalt in Chicago, Ateliers in Berlin und mit Thomas Knoth in Breternitz

Einzelausstellungen
in Berlin, Chemnitz und Chicago

Beteiligung an Ausstellungen
in Berlin, Chicago und Rotterdam